Liebe Angehörige

Die Glücksspielsucht ist eine Erkrankung, die immer ähnliche "Symptome" zeigt. Informationen hierzu finden Sie in der Broschüre für Angehörige von Glücksspielsüchtigen: "Nichts geht mehr!? oder Frühe Hilfen wirken früh!" – die Sie hier kostenlos bestellen können.

Allerdings sind die Menschen, die glücksspielabhängig sind, individuelle Persönlichkeiten. So individuell wie die Menschen sind, so individuell unterschiedlich kann die jeweils notwendige Hilfe sein, die sie brauchen. Von der sog. "Selbstheilung" (jemand stoppt von heute auf morgen dauerhaft das Glücksspielen, ohne professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen) über die Beratung und der Teilnahme an einer ambulanten oder auch stationären Rehabilitation oder dem lebensbegleitenden Besuch einer Selbsthilfegruppe reicht die Bandbreite der notwendigen Maßnahmen. Für Glücksspielabhängige ist es nicht leicht herauszufinden, welchen Weg sie einschlagen sollen. Zu Beginn ist dieser Weg auch häufig von "Rückfällen" begleitet. Wichtig ist immer die Entwicklung einer Entscheidung zur Spielfreiheit.

Als nahe Angehörige ist man meist Teil des Geschehens geworden und fühlt sich ausgesprochen hilflos. Man bzw. "frau" ist bereits eine Zeit lang einen beschwerlichen Weg mit dem Glücksspielabhängigen gegangen, oft so lange, bis man selbst erschöpft und zermürbt ist. Und dann ist man nach vielen Kämpfen endlich in einer Situation angekommen, in der der Glücksspielabhängige erkennt, dass es gut wäre, Hilfe anzunehmen und er vielleicht eine Beratungsstelle oder eine Selbsthilfegruppe aufgesucht hat. Am liebsten würde man nun den Betroffenen wie in einer Art Sanatorium dort lassen, so dass er sich erholt und wieder gesund werden kann. Man wünscht sich, ihn nach einiger Zeit verwandelt und wieder "bei sich selbst angekommen" zurück in der Familie begrüßen zu können. Häufig verbirgt sich hinter diesem Wunsch auch das Bedürfnis nach eigener Erholung. Man hofft, endlich auch selbst wieder eine angstfreie Zeit erleben zu können. Wenn der Glücksspielsüchtige dann vielleicht vorschlägt, man solle doch selbst auch mal an einer Angehörigengruppe teilnehmen, fragt man sich, warum. Mein Partner hat doch das Problem, nicht ich.

Leider funktioniert dieses Modell der Heilung, in dem der Glücksspielabhängige an seiner eigenen Gesundung arbeitet und man als Angehörige sich endlich um sich selbst kümmern kann, nur sehr begrenzt. In der Regel ist man stark involviert, oft hat man die Geldverwaltung übernommen und weiß nicht so recht, wie man damit umgehen soll. Es gibt sehr häufig "Altlasten", Konflikte, die aus dem Gefühl herrühren, lange "betrogen" worden zu sein. Man fühlt sich sehr alleine und empfindet Scham darüber, dass der/die PartnerIn/Mann/Kind spielt. Die eigene Umgebung meint vielleicht, man sollte sich trennen. Dabei weiß man selbst oft nicht, wohin mit dem Groll und der Angst. Wenn diese Momente Überhand nehmen und auf Dauer nicht verschwinden, wenn es ständig Streit gibt, wenn man sich bei all den Bemühungen des Glücksspielabhängigen nicht von seiner Angst lösen kann, dann bedeutet "um sich selbst kümmern", sich selbst helfen zu lassen.

Zunächst ist es meist ungewohnt und schwierig, so zu denken. Denn in der Beziehung zu einem Glücksspielabhängigen ist man als Angehörige/r manchmal besonders stark geworden. Man hat gelernt, vieles, manchmal alles, regeln zu müssen und es dann auch zu können. Das macht es dann schwer, zu akzeptieren, dass es neben der eigenen Stärke einen Teil in sich gibt, der Angst hat, der manchmal mutlos ist, der sich schämt und der gehört werden muss! Oft hat sich dieser Teil schon gemeldet, als Kopf - und Bauchschmerz oder als Verlust an Lebensfreude.

Neben der Aufnahme einer möglichen eigenen Therapie kann das Gespräch mit anderen Angehörigen in einer Selbsthilfegruppe Sicherheit geben und, wie Angehörige oft selbst sagen, das Gefühl vermitteln "dass mit mir alles in Ordnung ist" und ich nicht "spinne". Die Gruppe kann bestärken und unterstützen bei der Begleitung des Glücksspielabhängigen. Manchmal kann man dort auch die Kraft finden, eine Situation zu erkennen, die für einen selbst schädlich ist und sich aus ihr lösen.


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Nichts geht mehr!?

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